20.02.2012 • Neue Westfälische

Einfach nur bis sieben zählen

„Double Drums“ heizten im Theaterlabor ein VON HEIKE SOMMERKAMP

Bielefeld. Akkuschrauber machen Geräusche, Sägen auch. Zumindest sobald man damit schraubt oder sägt. Trotzdem sind diese Gebrauchsgegenstände eher selten auf der Konzertbühne zu hören, genau wie Spachtel, Stehleitern, Topfdeckel und Benzinkanister – es sei denn, „Double Drums“ schwingt gerade die Schlegel.

Alexander Glöggler und Philipp Jungk, zwei studierte klassische Perkussionisten, machen seit 2004 unter diesem Duo-Namen Schlagzeug zum konzertfüllend-fesselnden Event. Am Samstagabend begeisterten sie auf Einladung des Kulturvereins das mit 360 Zuschauern ausverkaufte Theaterlabor.

Eigentlich hätten die Double Drums amüsante Showelementen gar nicht nötig: Ihre Rhythmen sind absolut mitreißend, ihre offen ausgelebte Spielfreude ansteckend, und ihre facettenreichen Eigenkompositionen fesseln mit athmosphärischer Dichte.

Allein per Perkussion beschrieb das Duo anschaulich die drückende Stille der chinesischen Wüste, Impressionen aus der afrikanische Savanne, eine Eisbrecherfahrt durch die Antarktis und einen ruhigen Sonnentag in der Karibik. Für deren vielstimmig-exotische Tierwelt griffen die Double Drums zur Loopaufnahme: Auf einer Endlosschleife nahmen sie nacheinander verschiedene Tierstimmen auf, sanftes Meeresrauschen inklusive, bis eine traumhafte Klangkulisse stand.

Später zelebrierten sie in souveräner Innigkeit auf ihren Marimbas einen achtstimmigen Choral Hermann Weindorfs, intensivierten die Filmmusik eines im Bühnenhintergrund gezeigten Experimentalfilms perkussiv und stellten, besonders für Trekkies, eine selbst verfasste und Captain Kirk gewidmete Science-Fiction-Filmusik vor.

Einmal wanderten die Vollblutperkussionisten auch mit meditativer Intensität Richtung Minimal Music. „Zwischendurch spielt Philipp Dreivierteltakt und ich Siebenachtel. Das geht: Man muss einfach nur bis sieben zählen”, erläuterte Glöggler vorab den staunenden Bielefeldern. Dennoch: Ins Gedächtnis der Zuschauer brannten sich besonders das packende Trommel- und Schlegelduell ein, das sich die Jungs als Fußballfans liefern – Jungk mit Schal von Bayern, Glöggler mit einem von 1860 München ausstaffiert.

Oder der Umzugskarton, den sie so absolut mitreißend gemeinsam betrommelten. Oder die Haushaltsleitern mit angehängtem Wischeimer, die die Double Drums als allerletzte Zugabe hinreißend rhythmusintensiv bearbeiteten.

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01 - Bielefeld West, Montag 20. Februar 2012

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