06.02.2012 • Neue Westfälische
Wasser in der Tuba
Gogol & Mäx – Duo mit mitreißender Musik-Clownerie VON NATALIE GOTTWALDBrackwede. Die Rollen scheinen klar verteilt, als Gogol und Mäx die Bühne in der Realschul-Aula betreten: Gogol im schwarzen Frack mit gescheiteltem Haar, das vor Pomade nur so glänzt, und der kleinere Mäx in zu weiten Schlabberhosen, übergroßen Clownsschuhen und mit leicht chaotischer Einstein-Frisur. Gogol wird von Mäx nur Maestro genannt, dem er zunächst den Klavierhocker zurechtrücken und die Frackschürze richten muss. Dann startet das „Concerto Piano“, wie Gogol mit hochnäsiger Mine und feierlichem Klang in der Stimme ansagt.
Doch schnell stellt sich heraus, dass die Aufführung in der Realschul-Aula alles andere ist als ein Solo, wie Gogol es sich erträumt. Mit jeder Menge Erfindungsreichtum stiehlt Mäx seinem Maestro, sobald dieser sich ans Klavier setzt, die Show. „Concerto Piano – solo“, sagt Gogol seine Werke immer wieder an. Doch Mäx steigt bei jedem Stück – mal mit Trommel, mal mit Klarinette, Glockenspiel oder Xylophon – ins Konzert ein und Gogol findet sich schneller, als er denken kann, als Klavierbegleitung wieder.
Der Kampf um die Gunst und den Applaus des Publikums, der Wunsch, die Aufmerksamkeit ganz für sich allein zu haben, ist es, was das Clowns-Konzert von Gogol und Mäx so amüsant macht. Mit viel Kreativität versuchen die beiden Clowns die ganze Zeit über, dem anderen die Show zu stehlen oder die Auftritte zu vermasseln. Da wird auch schon mal Wasser in die Tuba gekippt oder die Klarinette in eine Blumenvase gesteckt. „Concerto in Acgua“ – so der trockene Kommentar dazu.
Beeindruckend ist vor allem die Tatsache, dass Gogol und Mäx die gesamte Show über – abgesehen von den Ansagen der nächsten geplanten Werke – ganz ohne Sprache auskommen. Mit faszinierender Körperbeherrschung klettern sie übers Klavier, jonglieren mit Glocken und machen in unmöglichsten Posen vor allem eines: hervorragende Musik. Nicht zuletzt deshalb sind die Programme der Clowns aus dem Badischen bereits mehrfach preisgekrönt. Zuletzt durften sich die beiden im vergangenen Jahr den Kleinkunstpreis Baden Württemberg abholen.
Und eines wird dem Publikum, das sich die Kämpfchen um Aufmerksamkeit natürlich gerne und hochamüsiert ansieht, schnell klar: Unschlagbar sind Gogol und Mäx nur als Duo. Rund 20 Instrumente bringen die Clowns auf der Bühne im Laufe des Abends zum Erklingen.
Selbst bezeichnen sie sich als Musik-Akrobaten und das sind sie wirklich. Ihre Klasse – sowohl im Bereich Clownerie als auch im musikalischen Bereich – stellte nach der Vorstellung niemand mehr in Frage und es gab jede Menge begeisterten Applaus – für beide.
